Nachlese: Der Fachtag „Heimerziehung in der DDR und die besondere Rolle des Geschlossenen Jugendwerkhofes Torgau“

Heimerziehung 1Am 27.09.16 fand von 16 - 20 Uhr an der Evangelischen Hochschule Dresden dieser Fachtag statt. Etwa 50 Teilnehmer/-innen hatten Interesse an diesem Thema.

Ziel dieser Veranstaltung und der Ausstellung war und ist einerseits, die Beschäftigung mit der Geschichte der Jugendhilfe in der DDR anzuregen. Andererseits möchten wir damit aber auch eine grundsätzliche Auseinandersetzung mit repressiver Sozialpädagogik – strukturell, sowie auf die konkreten pädagogischen Konzepte und ihre Realisierung bezogen – anregen.

Nach der Begrüßung durch den Prorektor der EHS, Marcus Hußmann, und den Vorsitzenden des Landesverbandes des DKSB, Ullrich Gintzel, beschrieb Silvana Hilliger, Mitarbeiterin am LAKD Brandenburg anhand eines Fallbeispiels den Ablauf einer Heimunterbringung in der DDR mit Blick auf die verschiedenen Stationen einer solchen „Karriere“.

Dabei stellte sie heraus, dass besonders auffälliges und abweichendes Verhalten gegenüber dem Kollektiv im Sinne der DDR-Erziehungsideologie in eine Form der Sonderheimunterbringung führte. Für eine nicht unerhebliche Anzahl von weiblichen und männlichen Jugendlichen bedeutete dies eine Unterbringung im geschlossenen Jugendwerkhof Torgau unter verschärften Arrestzuständen.

 Manuela Rummel stellte als Mitarbeiterin der Gedenkstätte Jugendwerkhof Torgau das System des Jugendwerkhofes in Bildern und in einem Film vor. Die im Hörsaal der EHS postierten Ausstellungsstücke über die Einrichtung in Torgau ergänzten das Gehörte und Gesehene.

Heimerziehung 4 Im Anschluss erfolgte in einem Zeitzeugengespräch ein ausführlicher und sehr eindringlicher Bericht von Alexander Müller über seine Zeit in Kinder- und Jugendheimen in der DDR, ganz besonders intensiv über seine Zeit im GJHW Torgau. Zweimal war er in den 80er Jahren in der Einrichtung in Torgau eingewiesen worden. Er stellte klar heraus, dass es in dieser und ähnlichen Einrichtungen unter dem Deckmantel der Erziehung zu einem systemkonformen Bürger systematische Verstöße gegen die Gesundheit und Rechte von Kindern und Jugendlichen begangen wurden. Diese Spuren tragen die ehemaligen Insassen noch heute in sich.

 Um auf diese Missstände im System öffentlichkeitswirksam aufmerksam zu machen und eine Aufarbeitung geneinsam mit vielen Beteiligten zu ermöglich, ist Alexander Müller seit den 1990er Jahren in bürgerrechtlichen Gruppen aktiv und engagiert sich in der „Initiativgruppe Geschlossener Jugendwerkhof Torgau“.

 In der von der Gruppe initiierten Ausstellung wird die Geschichte und die ‚pädagogische Praxis‘ dieser Einrichtung in Torgau dargestellt. Die Ausstellung wird nach der Eröffnungsveranstaltung bis zum 15.10.2016 in der Evangelischen Hochschule Dresden auf der Dürerstraße 25 zu sehen sein.

 Die gemeinsamen Veranstalter waren: AKS DresdenDeutscher Kinderschutzbund Landesverband Sachsen e.V.Evangelische Hochschule DresdenKinder- und Jugendhilferechtsverein e.V.