Über die Notwendigkeit von Ombudschaft in der Jugendhilfe

Beziehungen zwischen professionellen Helfer_innen (ASD-Fachkräfte und Beschäftigte bei freien Trägern) und Hilfesuchenden (Kinder, Jugendliche, Eltern) sind per se asymmetrisch aufgebaut. In aller Regel verfügen Hilfesuchende über wesentlich andere Voraussetzungen als professionelle Helfer_innen, die mit ihrem Status, ihrem Habitus, ihrer Amtsfunktion, ihrer Sprachgewandtheit und ihrer Selbstsicherheit in der Regel deutlich wirkmächtiger auftreten (Machtasymmetrie nach Ulrike Urban-Stahl).

Hilfesuchende befinden sich in der Regel an der Grenze ihrer Belastbarkeit, auf der Suche nach Hilfe, plagen sich mit Versagensgefühlen und Situationen des Scheiterns. Damit sind sie hoch belastet und bringen i.d.R. nicht dieselbe Souveränität mit wie professionelle Helfer_innen (siehe Liane Pluto: Partizipation in den Hilfen zur Erziehung).

 

ASD-Fachkräfte oder Beschäftigte bei freien Träger_innen wiederum treiben andere Themen um: Die von den Hilfesuchenden erwünschte Hilfe muss geeignet und notwendig sein. Sie soll einen bestimmten Rahmen nicht überschreiten, muss voraussehbar erfolgreich sein, von der ASD-Leitung genehmigt werden und also insgesamt gut begründet sein.

In dieser Melange von Motiven, Sorgen und Bedrängungen reagieren beide Seiten - oder eher alle drei Seiten (ASD-Fachkraft, Hilfesuchende, Beschäftigte beim Leistungserbringer) – unterschiedlich und manchmal mit geringem Verständnis für die Themen der anderen Seiten.

Da es bei der Einleitung, der Verlängerung oder dem Abbruch von erzieherischen Hilfen um die Abwendung von Notlagen, aber auch um den entsprechenden Kostenaufwand  geht, ist es sinnvoll, Hilfesuchenden eine ombudschaftliche Beratung anzubieten, wie sie der Kinder- und Jugendhilferechtsverein e. V. bereit hält.

Hilfesuchende mit einem „unerfüllten Hilfebedarf“ im Kontext des Kinder- und Jugendhilfegesetzes können sich kostenfrei an die unabhängige Ombudsstelle wenden, wenn es darum geht, Entscheidungen des ASD einzuschätzen, herbeizuführen oder diesen zu widersprechen. Erfahrene Fachkräfte informieren über den rechtlichen Rahmen und das Verfahren im Hinblick auf die konkrete Situation der Ratsuchenden. Sie zeigen Handlungsmöglichkeiten auf. Je nach Bedarf im Einzelfall begleiten sie die Hilfesuchenden zu Gesprächen mit dem ASD um die Geeignetheit einer angestrebten Hilfe zu unterstreichen und Entscheidungen auf den Weg zu bringen, die alle Seiten mittragen können.

Die Beratung im Kinder- und Jugendhilferechtsverein ist kostenfrei, anonym möglich, in jedem Falle vertraulich und stärkt die Rechte der Hilfesuchenden im Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe.

Die Beratung des Kinder- und Jugendhilferechtsvereins leistet damit einen Beitrag zur Verfahrensklarheit, zur Transparenz im Verfahren und damit auch zum Abbau von Machtasymmetrien zwischen Hilfesuchenden und Fachkräften. Dies trägt zur Passgenauigkeit von erzieherischen Hilfen und die Zufriedenheit bei den Hilfesuchenden.

Die ombudschaftliche Beratung des Kinder- und Jugendhilferechtsverein e.V. für die Stadt Dresden und die Landkreise Bautzen, Meißen sowie Sächsische Schweiz/Osterzgebirge ist erreichbar unter:
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Telefon: 0351-32015653
Weitere Informationen finden Sie unter: www.jugendhilferechtsverein-dresden.de;

 

Björn Redmann, Kinder- und Jugendhilferechtsverein e.V.

03.07.2014